LG G Watch – Test / Testbericht / Review

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Veröffentlicht am22. August 2014 von Jan Bender

Produktmerkmale:

Name: G Watch
 
Preis: 199 Euro
 
Farbe: Schwarz / Weiß
 
Release: 06/2014
 
Erhältlich: Google Play
 
Hersteller: LG Electronics
 
Android: Android Wear
 
 
 
 
 

Positiv:

stabile Verbindung zum Smartphone, angenehm zu tragen, Android Wear macht Lust auf mehr, sehr gute Darstellung von Benachrichtigungen dank Google Now Karten
 

Negativ:

Akkuleistung mit 1 1/2 Tagen zu kurz, Apps noch nicht gut angepasst, noch wenige sinnvolle Anwendungen, billig wirkendes Armband
 
ARTIKELAUSZUG:

Da bin ich wieder! Heute möchte ich Euch von meiner Zeit mit einem Android Wearable …

Bewertung

Performance
80%


Handling
85%


Ergonomie
85%


Lieferumfang
90%


Verarbeitung
90%


Software
80%


Hardware
85%


Preisleistung
85%


Total Score
85%

85/ 100

von Jan Bender
Artikel / Review

Da bin ich wieder! Heute möchte ich Euch von meiner Zeit mit einem Android Wearable berichten. Genau genommen mit einer LG G Watch mit Android Wear.

LG G Watch

Ich habe die Smartwatch mal zum Testen hier und wollt mal sehen, wie weit insbesondere Google mit seinem mobilen OS so ist. Um mir eine ernsthafte Meinung bilden zu können, habe ich die G Watch einem aus meiner Sicht sehr umfangreichen Test unterzogen.

Dazu gehörten:

  • 3 Wochen tägliche Nutzung
  • ausprobieren möglichst vieler “sinnvoller Anwendungen”
  • Nutzung als Suchhilfe, Navigation und Kommunikationsmittel
  • Nutzung beim Sport
  • Unlock, Root, Custom Recovery und Custom ROM flashen

Am Ende meines Berichtes werde ich dann auf die meiner Meinung nach bestehenden Stärken sowie der noch bestehenden Wünsche für Verbesserungen eingehen.


Zunächst vielleicht zur LG G Watch selbst.

Angetrieben von einem Snapdragon Qualcomm Quadcore mit 1,2GHz und einem Arbeitsspeicher von MB, macht die Watch ordentlich Dampf und lässt keinerlei Ruckeln oder Verzögerungen erkennen. Intern stehen für Anwendungen 4 GB zur Verfügung, die auf jeden Fall ausreichend sein dürften.

Das 1,65″ IPS Display löst mit 280×280 Pixel auf und stellt alle Informationen schön klar dar. Die Schwarzwerte wären bei einem AMOLED Display sicher besser.

LG verbaut in der G Watch einen 400mAh Akku, was immerhin 100 mAh mehr sin, als bei der Samsung Gear. Allerdings benötigt die G Watch diese auch, da sie wie von LG beworben mit “allways on” Screen betrieben werden kann. Das Display verdunkelt also etwas, bleibt jedoch weiter aktiv.

Die 63g Gewicht sind angenehm leicht zu tragen.

Optisch ist die LG G Watch sehr nüchtern und Funktional gehalten und wird somit wohl keine Design Awards gewinnen. Da wird die angekündigte Motorola 360 die Stilherzen wohl eher berühren.

Anderer Seits verleiht genau diese praktische Bauart der LG G Watch aber auch Vorteile. Denn um Informationen darzustellen, ist eine rechteckige Form noch immer am Optimalsten. Und genau das sollte doch der Schwerpunkt einer Smartwatch sein. Will ich eine schicke Uhr zum Angeben oder um meinen Typ zu unterstreichen, würde ich zumindest eher zu einem klassischen Chronographen greifen.


Das Statement der LG G Watch ist hier eindeutig. Sie will als das wahrgenommen werden, was sie ist und versucht erst gar nicht mit klassischen Uhren zu konkurrieren.

Letztlich bleibt das natürlich Geschmacksache und das überaus große Interesse an der Motorola 360 zeigt zumindest, dass vielen wohl bei einem Wearable Design wichtiger ist als Funktionalität.

Die LG G Watch kommt mit einer praktischen Ladeschale daher, die sie dank einer magnetischen Basis, genau in der richtigen Position hält. Um den Kontakt herzustellen, hat die G Watch an der Unterseite fünf offen liegende Pins. Weitere Kontaktmöglichkeiten findet man nicht. Auch einen vielleicht zu erwartenden Micro USB Anschluss sucht man vergebens.


Die Nutzung des Ladedocks als Aufladestation und Kommunikationszugang ist an Sich eine praktische Sache und macht die nächtliche Aufladeprozedur recht erträglich.

Hat nur den Nachteil, das man unterwegs keine Chance bekommt, die G Watch nachzutanken. Wer also vor hat länger als 1 1/2 Tage auswärts zu sein, sollte sich die Dockingstation unbedingt einpacken.

Wo wir dann wohl auch beim Hauptthema wären, der Akkuleistung. Denn in diesem Punkt dürften sich wohl nahezu alle einig sein, eine lange Laufzeit ist Pflicht.


LG  wirbt ja nun damit, dass die G Watch mit einem immer aktiven Display genutzt werden kann. Das ist auch eine wirklich tolle Sache, da die Uhr durch die vielen verfügbaren “Watch Faces” wie bei Android üblich ganz dem eigenen Geschmack angepasst werden kann.

Nur muss einem dann auch bewusst sein, dass die G Watch auch nur einen Tag durchhalten wird. Nutzt man sie für sportliche Aktivitäten, kann auch selbst das knapp werden.

Ich persönlich habe das Display nach einer Woche auf nicht aktiv gesetzt, um die Akkulaufzeit zu erhöhen. In dieser Einstellung hält die G Watch dann auch gute 1 1/2 bis 2 Tage durch und muss dann trotzdem an die elektrische Tankstelle. Aktivieren kann man sie über Touch oder eine Bewegung des Armgelenkes. Zunächst etwas ungewohnt die Armbewegung, aber dann doch sehr einfach durchzuführen.


Insgesamt für eine Uhr natürlich zu wenig. Allerdings kann man den Funktionsumfang eines klassischen Chronographen wohl auch kaum mit der G Watch vergleichen.

Da ich meine Uhren zum schlafen immer auf meinem Nachttisch lege, habe ich dort natürlich die Ladestation positioniert und lasse die G Watch nun jede Nacht dort laden. Ob das so optimal für den Akku ist, mag ich wohl bezweifeln. Aber nur so, empfinde ich es für mich als praktisch.

Ach ja, die Verbindung zwischen Smartphone (mindestens Android 4.3) und G Watch erfolgt via Bluetooth LE, welches sehr Akku sparsam fungiert.


Das Smartphone bleibt auch mit der G Watch die Schaltzentrale. Um beide Geräte miteinander zu verbinden, muss man zunächst aus dem Playstore die Android Wear App installieren. Startet man diese, wird man sehr fix durch den Verbindungsprozess geführt. Anschließend finden sich beide Geräte stets sehr schnell und bleiben auch sehr stabil verbunden.

Auch die Installation von Anwendungen für die Smartwatch laufen immer über das Smartphone.

Wo wir beim Thema Apps wären. Lässt man sich von der Android Wear App zu den kompatiblen Apps weiterleiten, findet man zunächst nur eine Hand voll Anwendungen. Diese lassen einen zunächst etwas resigniert drein schauen. Google hat aber für die Wear Apps bereits einen eigenen Bereich im Playstore reserviert und gibt man in die Suchzeile Android Wear ein, bekommt man  circa 250 Anwendungen angeboten. Eine große Anzahl stellen die Apps zur Anpassung des Watch Face, also der Uhrdarstellung auf dem Gerät. Da dürfte wohl was für jeden Geschmack dabei sein. Mein persönlicher Tipp: Lieber zu etwas einfacheren Faces greifen, da ansonsten die Benachrichtigungskarten auf dem Display der Watch überlagert werden.

Als praktische Anwendungen sehe ich bisher:

Android Wear – Smartwatch
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos

Wear Mini Launcher
Entwickler: Mini Launcher
Preis: Kostenlos*

Runtastic Laufen & Fitness
Entwickler: Runtastic
Preis: Kostenlos*

Calendar for Android Wear
Entwickler: Kodeglam Mobile
Preis: Kostenlos*

TweetWear
Entwickler: Viktor Adam
Preis: Kostenlos

Calculator - Android Wear
Entwickler: scoutant.org
Preis: Kostenlos

Finde mein Smartphone (Wear)
Entwickler: NICK APPS
Preis: Kostenlos*

Wear Camera Remote
Entwickler: Dheera Venkatraman
Preis: Kostenlos

WearNotification Improver
Entwickler: Jonas Bark
Preis: Kostenlos*

Minuum Keyboard + Smart Emoji
Entwickler: Whirlscape
Preis: 3,40 €

Minuum Keyboard Free + Emoji
Entwickler: Whirlscape
Preis: Kostenlos*

Beim Durchstöbern der Apps im Playstore wird schnell klar, dass die Entwicklung von Android Wear noch am Anfang steht. Ja, es gibt brauchbare Apps. Aber erstens sind es zu wenige und zweitens, sind diese nahezu alle noch in einer gefühlten Beta Phase. Da ist also noch ordentlich Platz nach oben!


Neben den speziell für Android Wear programmierten Apps, sind auch die bestehenden Anwendungen anzupassen bzw. um eine Android Wear Funktion zu erweitern. Die größeren Player in diesem Bereich haben oder werden zeitnah entsprechende Programm Erweiterungen implementieren. So sind Twitter, Facebook Messenger, Hangouts und WhatsApp (Beta) bereits mit Android Wear verbunden und lassen über die LG G Watch nicht nur das Lesen der Nachrichten zu, sondern bieten auch Möglichkeiten für die direkte Antwort. Das funktioniert dann zum Einen über vorgegebene Kurzantworten oder über die individuelle Spracheingabe.

Da die Spracheingabe bisweilen gern nicht optimal funktioniert, wird man doch recht oft zur Nutzung der vorgegebene Antworten gezwungen.

Überhaupt ist die Sprachsteuerung und Spracherkennung bei Android Wear eines der großen Themen. Denn auf Grund des kleinen Displays muss man hier neue Wege bei der Interaktion gehen. Google hat mit Google Now hier genau den Dienst im Programm, der der zentrale Knotenpunkt in der Kommunikation über die Smartwatch wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Google Now bietet alle weiteren Informationen, die man auf einem Wearable so benötigen kann. Angezeigt werden entweder je nach Tageszeit Wetterdaten, die Entfernung vom Heimatort, Spielergebnisse, Orte in der Nähe…

Die Smartwatch ist also im Grunde nicht die Erweiterung des Smartphone, sondern viel mehr die Schnittstelle zu Google Now.

Dabei hat mich die Treffgenauigkeit der Spracherkennung recht positiv überrascht. Diese tut meist wirklich was man sagt. Allerdings benötigt sie eine gute Datenverbindung ins Netz, um das gesprochene Wort umsetzen zu können. Bei meinen sportlichen Aktivitäten, die mich auch mal laufend durch den Wald brachten, war mit der Sprachsteuerung auf Grund des schlechten Empfangs dann auch nichts mehr anzufangen.

Wirklich gut und übersichtlich ist die Darstellung der Informationen über die aus Google Now bekannten Karten gelungen. Mit Wischgesten lassen sich entsprechende weitere Informationen erhalten, wie zum Beispiel die Wettervorhersage, oder man löscht die Nachricht ganz einfach.

Für die Darstellung kurzer Informationen ist die LG G Watch als sehr gut zu gebrauchen und Google Now ist eine gut gelungene Erweiterung zum Android Smartphone.

Da ich sehr gern auch sportlich aktiv bin, habe ich vor dem Kauf der G Watch bei den tollen bunten Werbefilmchen für Android Wear auch ziemlich genau auf entsprechende Funktionen geachtet. Denn neben der Darstellung von Benachrichtigungen, wird die G Watch auch immer als tolle Fitnessbegleitung dargestellt.

Im PlayStore finden sich dann auch ein paar Anwendungen, die die notwendigen Anpassungen für Android Wear vorgenommen haben. Dazu gehören die beiden Apps Runtastic und RunKeeper.

Da ich schon länger mit Runtastic meine sportlichen Aktivitäten aufzeichne, war das natürlich ein Kaufargument.

Nur darf man von den bisherigen Erweiterungen der FitnessApps nicht wirklich viel erwarten. Hier ist deutlich zu erkennen, dass die Sache noch am Anfang steht und man nur schnelle entsprechende Funktionen anbieten wollte. Die App lässt sich auf der G Watch entweder über Touch oder einfach via Spachbefehl starten. Gleichzeitig öffnet sich die Anwendung auf dem Smartphone. Die Uhr funktioniert dann quasi als Fernsteuerung für die eigentliche App. Alle notwendigen Daten wie Position, Geschwindigkeit, Zeit, Strecke werden auf dem Smartphone gesammelt. So weit so gut. Nach dem Start verschwindet aber dann leider die Anzeige auf der Uhr und weicht der normalen Zeitdarstellung. Auch wenn man sich die Runtastic Daten im Detail darstellen lässt, geht die Watch nach wenigen Sekunden auf Grundposition. Das ist während eines Laufes mehr als nervig. Zumal sich das Touch-Display bei entsprechender Schweißbildung nur sehr schwer bedienen lässt. Wer also zwischendurch mal die gelaufene Strecke oder seine Zwischenzeiten ablesen will, muss notgedrungen unnötige Steuerbewegungen auf der Watch vornehmen und ist vom Laufen abgelenkt. Nutzt man nun sein Smartphone auch als MP3 Player und hat den  Sprachcoach in Runtastic aktiviert, kann man diese Informationen natürlich über die Kopfhörer erhalten. Nur braucht es dann eben auch keine Smartwatch.

Von Vorteil ist allerdings, dass man die Wasserfeste LG G Watch nach dem Sport ganz einfach unter dem Wasserhahn von Schweißrückständen befreien kann.

Ganz ohne Smartphone und App kann die LG G Watch nur rudimentäre Dienste Leisten. Neben dem aus meiner Sicht völlig unbrauchbaren Schrittzähler verfügt die Watch über eine Stoppuhr. Wem also die reine Zeiterfassung der sportlichen Aktivität genügt, kann das Smartphone auch daheim liegen lassen.

Zu einem Android Gerät gehört für mich auch immer die Möglichkeit, mir das System-so zu gestalten, wie es meinen Vorlieben entspricht. Das geht zum Einen über die unzähligen Themen oder Icon Packs oder über die Installation zusätzlicher Software.

Nachdem ich die Basisfunktionen von Android Wear ausgetestet hatte, musste mein Blick daher in den Custom Bereich fallen. Also suchte ich die LG G Watch bei entsprechenden Foren und wurde auch sehr schnell fündig, denn einige private Entwickler haben sich bereits an die Erweiterung von Android Wear gemacht. In meinem Fall der LG G Watch konnte ich für Flashaholics wie mich zumindest das Grundwerkzeug finden. Es gibt ein sehr gut funktionierendes Unlock, Root und Restore Tool, welches die Installation einer Custom Recovery (TWRP) ermöglicht. Damit erhält man dann volle Kontrolle über sein System.

Des weiteren konnte ich eine erste Custom Rom Preview namens Gohma finden. Hier wurden vom Entwickler ein paar Optimierungen für die Akku Laufzeit und die Vibrationsstärke vorgenommen.

Wer also “mehr” aus seiner LG G Watch heraus holen möchte, kann sich auch in diesem Bereich austoben.

Fazit:
Die LG G Watch hat mich ehrlich positiv überrascht. Ich hatte im Grunde ein sinnloses Spielzeug erwartet, dass mich nach wenigen Tagen langweilen wird. Aber ich muss zugeben, dass mich das Wearable Fieber gepackt hat.

Natürlich steht das Ganze noch am Anfang und einige Funktionen sind nur im Basisstadium verfügbar. Auch die Akkuleistung kann einen noch nicht zufrieden stellen.

Aber um so mehr man sich mit der LG G Watch und vor allem Android Wear beschäftigt, um so mehr Spaß macht es und so langsam wurde mir zumindest bewusst, dass es ne dicke Sache wird. Die Uhr als ständigen Begleiter kann ich mir zumindest viel eher vorstellen, als ständig eine Brille zu tragen, die ich sonst nicht benötigen würde. Zumal so eine Brille ja auch noch mehr in das Aussehen einer Person eingreift.

Man braucht so ein Wearable sicher nicht. Genauso wenig wie man Smartphones oder Tablets benötigt. Aber es ist genau wie eben mit diesen technischen Neuerungen, hat man sich an sie gewöhnt und weiß sie einiger Maßen für sich zu nutzen, will man sie nicht mehr vermissen.


Über den Autor

Jan Bender

Familienvater, Technik begeistert, Apple Fan

  1.  
    Chris

    Vielen Dank für diesen tollen Testbericht!

    Nun ja jetzt wo ich diesen Artikel gelesen habe finde ich die LG G Watch nicht mehr so toll wie vorher, ich kann doch nicht jeden Tag den Akku meiner Armbanduhr aufladen.

    Ich denke daran muss noch gearbeitet werden.

    LG Chris




  2.  

    Klasse Review. Wie immer von Jan.





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