NSA : Spionage gegen Huawei [Kommentar]

Veröffentlicht am 23. März 2014 von Torsten Dünnwald in Allgemein
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Ende 2012 wurde den chinesischen Telekommunikationsunternehmen ZTE und Huawei von den Behörden der USA vorgeworfen, eng mit der dortigen Regierung zusammenzuarbeiten und amerikanische Firmen auszuspionieren. Die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden behaupten (gestützt auf seine gesammelten Dokumente) allerdings genau das Gegenteil.

Berichten des Spiegels zufolge wurden sowohl die chinesische Regierung als auch das Unternehmen Huawei von der NSA ausspioniert. Dabei sollen vertrauliche Dokumente entwendet worden sein, über Jahre wurde der Mailverkehr mitgelesen, sogar Daten von ca. 1400 Kunden wurden ausgespäht.

Unter dem Vorwand, die Vereinigten Staaten vor einer Spionage und Schädigung durch Chinas zu schützen, hat man sich ebenfalls Zugriff auf nicht öffentliche Quellcodes verschafft, vermutlich um sich über Lücken Zugriff auf weitere Bereiche und Geräte zu verschaffen. In der offiziellen Stellungnahme der Geheimdienstorganisation wird behauptet, dass “viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren” und man sich deshalb permanent weiterbilden müsse, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Außerdem wird befürchtet, “dass die Volksrepublik China die weit verzweigte Infrastruktur von Huawei zu Spionagezwecken nutzen” könnte.

Ein Pressesprecher von Huawei, namentlich Bill Plummer, kritisierte den Cyberangriff und betont ein weiteres Mal die Unabhängigkeit von der Regierung. Um die Vorwürfe zu mildern gab eine NSA-Sprecherin an, dass keine der gewonnenen Daten an amerikanische Unternehmen weitergegeben wurden.

Quelle: heise online

Kommentar:

So schnell kann sich das Blatt wenden. Die NSA sah sich bis kurz vor den Enthüllungen durch Snowden noch unverwundbar geglaubt und konnte nur austeilen, jetzt müssen sie allerdings einiges einstecken.

Für mich waren die Vorwürfe schon von Anfang an nicht glaubwürdig, da die USA die Macht, die mit 20% Marktanteil einhergeht, fürchtete. Aber auch die Vorwürfe, dass absichtlich Sicherheitslücken platziert werden, um so später von Außen die Geräte zu “kapern”, spiegelt eher die amerikanischen als die chinesischen Praktiken wider. Das Argument, dass “viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren“, müsste ebenfalls auf Google, Apple und Microsoft angewandt werden, weil die drei führenden Smartphonebetriebssysteme der Unternehmen, Android, iOS und Windows Phone, ebenfalls aus den USA kommen und weltweit bei Freund und Feind im Einsatz sind. Doch vor allem Unternehmen wie Cisco, die in direkter Konkurrenz (in der Telekommunikationsinfrastruktur) mit Huawei stehen, haben ein Interesse daran, dass die Chinesen keinen Fuß auf “freiem Boden” fassen können. Die Methoden von FBI und anderen Behörden, den Deal des Ausrüsters mit potenziellen Kunden noch in letzter Minute platzen zu lassen, sind auch nicht unbekannt.

In meinen Augen treibt alleine die Angst, Marktanteile im eigenen Land zu verlieren, den Geheimdienst zu solchen Handlungen, dazu die fehlende Kontrolle, die ab Werk durch Exploits in amerikanischer Hardware und Software mit eingebaut werden kann. Unterm Strich kann man die Praktiken als Industriespionage ansehen und sollte, wie Opel es vormacht, seine Vorurteile (USA = gut, China = schlecht) vor dem nächsten Kauf eines Smartphones oder Tablets nochmal überdenken.


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Torsten Dünnwald

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