Deutscher Justizminister will den Google Such-Algorhythmus offenlegen lassen (Kommentar)

Veröffentlicht am 17. September 2014 von Roman Hammer in Hersteller
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Es scheint, als hätten die Politiker im deutschsprachigen Raum ein gewaltiges Sommerloch, welches noch zu stopfen gilt. Denn nicht etwa, dass sich  österreichische als auch deutsche Politiker sich um Probleme wie ISIS, Salafisten, den Ukrainekonflikt & Armutsbekämpfung im eigenen Land Gedanken machen, kommen immer mehr sinnlose Themen an den Tag, die anscheinend nur dafür da sind, Zeit zu überbrücken. So hat der deutsche Justizminister Heiko Maas jetzt bei Google mehr Transparenz gefordert und meint damit indirekt die Offenlegung des Google-Suchalgorhythmus. Und das ohne die Folgen einer solchen zu bedenken.

„Am Ende geht es darum, wie transparent die Algorithmen sind, die Google benutzt, um seine Suchergebnisse zu sortieren“, sagte Maas in einem Interview mit der Financial Times. „Wenn eine Suchmaschine einen solchen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat, dann ist dies eine Angelegenheit, mit der wir uns befassen müssen.“

Seit 2010 streitet die europäische Kommission mit Google um Datenschutz, Monopolstellung usw. So kann man seit diesen Jahr diverse unerwünschte Such-Einträge bei Google löschen lassen und nun soll der Suchalgorhythmus daran glauben. Man stelle sich das im Falle eines niedergelassenen Arztes in eurer Nähe vor über dem ihr Bewertungen via Google erfahren wollt. Da er nun das Recht hat, unliebsame Bewertungen entfernen zu lassen, rückt das ganze etwas ins falsche Licht. Oder im neuen Fall wenn man zum Beispiel den etwas über Angela Merkel erfahren möchte, wird Google bei der Suche diverse Einträge von Preisvergleich-Seiten oder Gewinnspiele finden. Also nicht das, was man eigentlich finden möchte. Genau das würde passieren, wenn Google seinen Algorhythus offen legen würde. Also das Betriebsgeheimnis schlechthin und worüber sich Suchmaschinenoptimierer (SEO = Search Engine Optimization) täglich den Kopf zerbrechen  um ihre Webseite auf Seite 1 bei Google zu bringen.

Also im Grunde eine Wettbewerbsverzerrung oder nennen wir es eine Verschlechterung der Qualität der Google-Suche. Aber wenn man sonst nichts auf die Kette bekommt, lenken wir einfach vom eigentlichen Themen ab. Klappt doch sonst auch ganz gut, oder?

Update: Google Deutschland hat zu der “Anfrage” bzw Forderung von Justizminister Maas Stellung bezogen:

Sehr geehrter Herr Bundesminister Maas,

wir begrüssen es sehr, dass Sie sich von Ihrer jüngsten Forderung, Google müsse seinen Suchalgorithmus offen legen, distanziert haben. Wie Sie im Interview mit der +BILD am Sonntag  richtig sagen, würde dies Manipulationen Tür und Tor öffnen und damit in erster Linie den Verbrauchern schaden.

In dem Interview weisen Sie zu Recht darauf hin, dass Nutzer ein Anrecht haben, zu verstehen, nach welchen Kriterien Suchergebnisse bei Google bereit gestellt werden. Transparenz darüber herzustellen ist uns sehr wichtig, deshalb möchten wir Ihre in der “Bild am Sonntag” formulierten Fragen zur Funktionsweise der Google Suche gerne wie folgt beantworten:

1. Sie fordern, Google müsse die Kriterien, nach denen die Suchergebnisse geordnet  werden, offenlegen.

Genau das machen wir seit 2006 unter anderem in dem Webmaster Blog (http://googlewebmastercentral-de.blogspot.de), der regelmässig über die Kriterien des Google Rankings informiert – mittlerweile in mehr als 1.000 Beiträgen, seit 2007 übrigens auch auf Deutsch. Es gibt außerdem eine eigene Seite für Webmaster, einen YouTube-Kanal und ein Webmaster-Hilfe-Forum mit Hinweisen, wie Inhalte bei Google gefunden und angezeigt werden. Die Grundlagen des Such-Algorithmus auf Basis des PageRank wurden sogar schon 1998 in einer wissenschaftlichen Arbeit von Larry Page und Sergej Brin veröffentlicht (http://infolab.stanford.edu/~backrub/google.html).

2. Sie fragen, ob Suchergebnisse “durch wirtschaftliche Interessen manipuliert” werden und ob Kunden von Google dabei bevorzugt werden.

Klare Antwort: Nein. Die Reihenfolge unserer Suchergebnisse wird nicht durch kommerzielle Interessen beeinflusst. So werden die Ergebnisse angezeigt, die relevant für unsere Nutzer sind. Die Trennung zwischen kommerziellen, klar gekennzeichneten Werbeanzeigen und organischen, strikt nach Relevanz geordneten Suchergebnissen ist daher seit jeher ehernes Prinzip bei Google. Die Untersuchungen der Wettbewerbsbehörden in USA und Europa haben dies bestätigt.

3. Sie fragen, welche Rolle die “eigenen Profildaten” spielen.

Für viele Nutzer bieten individualisierte Suchergebnisse, die zum Beispiel den eigenen Standort berücksichtigen, einen wesentlichen Mehrwert. Jeder Nutzer kann jedoch selbst entscheiden, welche Informationen er bei einer Suche mit Google teilen möchte. So können Sie auch die Individualisierung der Suchergebnisse ausschalten. Wie das geht finden Sie auf dieser Hilfeseite (http://goo.gl/0AYgUI). Über das Google Dashboard (http://goo.gl/AAjhNN) kann jeder Nutzer mit eigenem Account im übrigen seine Daten jederzeit verwalten.

4. Sie fragen, inwiefern Daten von Google gelöscht worden sind.

Wie Sie wissen, zwingen uns gesetzliche Bestimmungen, bestimmte Suchergebnisse aus unseren Diensten zu entfernen. Beispiele sind Verstösse gegen das Urheberrecht oder seit kurzem auch Ergebnisse, die in Folge des EuGH-Urteils zum “Recht auf Vergessenwerden” entfernt werden müssen. In all diesen Fällen weisen wir unsere Nutzer durch einen Hinweis unterhalb der Suchergebnisseite auf das Fehlen von Ergebnissen hin. Ausserdem veröffentlichen wir als erstes IT-Unternehmen bereits seit 2010 in unserem Transparenz-Report (www.google.com/transparencyreport) Anzahl und Hintergründe zu Anfragen auf Datenlöschungen und -herausgabe, die wir von öffentlichen Stellen erhalten.

5. Sie fragen schliesslich, welche Rolle Werbung spielt.

Werbung spielt zur Finanzierung der Google Suche eine wichtige Rolle, denn schliesslich ist die Suche wie die meisten Google Dienste für Nutzer kostenfrei. Werbung wird klar als solche gekennzeichnet und hat keinen Einfluss auf die Antworten, die unsere Nutzer über die Google Suche erhalten.

Wir hoffen, Ihnen damit Ihre wichtigsten Fragen zur Google Suche beantwortet zu haben. Lassen Sie uns darüber gerne im Dialog bleiben, denn Transparenz herzustellen bleibt eine beständige Aufgabe.

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Presseteam von Google

(via Spiegel Online via AndroidMag; Update via Google+)


Über den Autor

Roman Hammer

#Sportfanatiker und #Technikfreakehrlich - kritisch - fair#Techblogger auf Android-News-Blog.de, CEO von oppoblog.com