Hangouts, BBM, WhatsApp – Drei Messenger im Test

Veröffentlicht am 31. Oktober 2013 von Torsten Dünnwald in Testbericht
Hangouts, BBM, WhatsApp - Drei Messenger im Test

Jeder hat sie, jeder benutzt sie – Messenger gehören zu den meistgenutztesten Apps überhaupt. Für viele sind teure SMS schon lange Vergangenheit, denn selbst eine Internetflat mit ordentlich HighSpeed-Volumen ist heutzutage günstiger als eine SMS-Flat, von den zahllosen Vorteilen der Messengerdienste ganz zu schweigen. Doch das Erfolgsmodell mit dem Namen WhatsApp ist schon lange nicht mehr die einzige Alternative zur, in manchen Augen altmodischen, Textnachricht.

Schnell hat auch Google begriffen, dass ein solcher Dienst herbei muss und stellte im Mai 2013 die Applikation Google+ Hangouts vor, die die schon länger laufenden Projekte Google Talk, Google+ Messenger und Google Hangout zusammenfassen und ersetzen sollte.

Auch die angeschlagene kanadische Firma BlackBerry verkündete am 15. Mai 2013 stolz, dass sie den schon länger im eigenen Betriebssystem integrierten BlackBerry Messenger auch für die Plattformen Android und iOS entwickeln möchte. Nach dem zweiten Release (wir berichteten) haben es endlich auch die Kanadier geschafft, ihren WhatsApp-Konkurrenten für Android- und iOS-User zur Verfügung zu stellen. Das nehme ich zum Anlass, die drei Apps einmal zu vergleichen und den noch nicht getesteten BBM auszuprobieren.

 

Verfügbarkeit
WhatsApp ist für Android, iOS, BlackBerry, Symbian und Windows Phone verfügbar, kann aber nur auf einem Gerät gleichzeitg benutzt werden. Eine “Umstellungszeit” von ca. 30 Minuten muss eingeplant werden, bis wieder über die gleiche Nummer auf einem anderen Smartphone geschrieben werden kann.

WhatsApp Messenger
Entwickler: WhatsApp Inc.
Preis: Kostenlos

Google+ Hangouts (im Folgenden nur Hangouts) ist aktuell für Android, iOS und über den Browser am Computer verfügbar, allerdings werden Chatverläufe synchronisiert, wenn vorher eine Verknüpfung mit dem Google+ Account vorgenommen wurde und der Dienst lässt sich auf allen Geräten gleichzeitig benutzen.

Hangouts
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos

BlackBerry Messenger (im Folgenden BBM) ist natürlich für BlackBerry-Geräte und seit kurzer Zeit auch für Android und iOS erhältlich. Der Client kann wie WhatsApp nur an einem Gerät gleichzeitig benutzt werden.

BBM
Preis: Kostenlos+

 

Kosten
Ziemlich interessant vor der Entscheidung für einen der drei ist sicherlich der Preis. Alle Apps sind zwar kostenlos im PlayStore verfügbar, dennoch verlangt WhatsApp nach einem Gratisjahr einen Betrag von 89 Cent (Dreijahresabo 2,40 Euro, Fünfjahresabo 3,34 Euro) für die Nutzung. Da das Konto an die Rufnummer gebunden ist, hilft auch keine Neuinstallation. Wer allerdings die App vor Juni 2013 über Apple’s AppStore gekauft und mit seiner Handynummer auf einem iPhone aktiviert hat, für den ist es “lebenslang” kostenlos verfügbar, es muss also nur einmal beim Kauf bezahlt werden.

Weil alle drei keine Werbung schalten und WhatsApp so im Gegensatz zur SMS zwar nicht teuer, aber auch nicht umsonst ist, belegt der beliebteste Chatdienst in dieser Kategorie eindeutig den letzten Platz.

 

Bedienung
Dinge, die man im Alltag oft gebraucht, sollten auch möglichst einfach zu bedienen sein.

Die intuitivste Oberfläche bietet Hangouts, denn man auf den ersten Blick nur zwei Möglichkeiten: Entweder man öffnet einen älteren Chat oder wählt das Pluszeichen in der oberen rechten Ecke, um eine Nachricht an einen neuen Kontakt zu verfassen. Allerdings gestaltet sich die Kontaktaufnahme schwierig, weil nur wenige Kontakte aus dem Adressbuch vorgeschlagen werden, der Rest muss manuell gesucht werden. Da hätte man die Lösung von WhatsApp übernehmen können, bei dem alle Kontakte aus dem Adressbuch, die WhatsApp heruntergeladen und aktiviert haben, in einer Liste angezeigt werden. Die Optimierung von Hangouts für das hauseigene Betriebssystem wird direkt deutlich, wenn man nach anderen Funktionen suchen will – es gibt keinen Button, sondern die androidtypischen Softkeys werden in die Bedienung integriert. So gelangt man in die Einstellungen, zu den Einladungen, zur Hilfe oder kann die Benachrichtigungen ausschalten, was sicherlich sehr praktisch für Beruf und Schule ist. Da viele Androiduser einen Google+ Account besitzten, kann man in den Einstellungen das “Google+ Profilfoto ändern”, trotzdem ist Google+ nur für Gruppenchats, nicht aber für private Konversationen nötig. Auffällig neben den Standardoptionen wie Töne und Benachrichtigungen ist das Untermenü “Einladungen anpassen”. Hier kann man bestimmen, aus welchen Kreisen welche Personen wie (mit oder ohne vorherige Einladung) mit mir kommunizieren können. Zudem bietet Hangouts als einziger der drei Messengerclients die Möglichkeit, auf Knopfdruck zwischen Chat und Videochat hin- und herzuschalten. Die Oberfläche ist also sehr aufgeräumt, bietet aber wenig Spielraum für Einstellungen und zur Anpassung.


Der BBM muss allein wegen der Warteschlangenaktion, in der sich alle Androiduser eintragen mussten, um ihn benutzen zu können, einen Abzug in der Gesamtwertung bekommen. Nach einer langen Wartezeit von mehreren Tagen kommt eine “Glückwunschmail” von Blackberry, die mich anscheinend zum Benutzen legitimiert.

BBM: Sie sind einer der Ersten!

Glückwunsch!

E-Mailadresse hat die Spitze der Schlange erreicht und erhält damit sofortigen Zugriff auf BBM™ für Android™ und iPhone®.Und so geht’s:

    1. Öffnen Sie BBM (Falls BBM gelöscht sein sollte, laden Sie das Programm auf BBM.com erneut über Ihren Android- oder iPhone-Browser herunter)
    2. Wenn Sie aufgefordert werden, Ihre E-Mail-Adresse einzugeben, “um zu prüfen, ob Sie BBM sofort verwenden können, oder um sich einen Platz in der Wartschlange zu sichern”, geben Sie die oben genannte Adresse ein
          - oder -
          Wenn Sie auf der “Wir halten Ihren Platz in der Warteschlange frei.”-Seite sind, klicken Sie: “Ich hab die E-Mail erhalten.”
    3. Legen Sie mit BBM los!

Diese Nachricht wurde von oder im Auftrag von BlackBerry gesendet.© 2013 BlackBerry. BlackBerry, BBM™ und zugehörige Marken, Namen und Logos sind Eigentum von BlackBerry Limited und sind in den USA und anderen Ländern weltweit als Marken eingetragen und/oder werden dort als Marken verwendet. iPhone ist ein Marke von Apple Inc. Android ist eine Marke von Google Inc.

Hat man diese Hürde, die sicherlich schon viele Interessierte abgeschreckt hat, überwunden, so bietet sich einem ein Menü am unteren Ende des Bildschirms. Links und rechts befinden sich die Menüs, die sich über Sliden nach links (Chatmenü) oder durch Drücken der Buttons im Hauptmenü erreichen lassen (Einstellungen rechts auch über den entsprechenden Softkey). Diese Art der Menüführung stellt sich als kompliziert heraus, da z.B. der Gruppenchat auf der rechten Seite versteckt ist, alle anderen chatrelevanten Optionen aber auf der linken. Genauso sind die verschickten Einladungen links aufrufbar, eine neue Einladung sowie ein neuer Chat oder Broadcast lässt sich aber im rechten Menü starten. Diese Version des Appdesigns scheint mir sehr unüberlegt und macht einfach keinen Spaß. Wenigstens gibt es auf der Hauptseite einen Button, der direkt einen neuen Chat erstellen lässt. Ein weiteres Manko, dass offensichtlich mehr Sicherheit bieten soll, ist die Kontaktaufnahme. Bevor ich mit meinen Bekannten schreiben kann muss ich die Person per E-Mail, SMS, PIN oder Barcode-Scan “Zu BBM einladen”. Nicht gerade die einfachste Art, aber zum Glück ist diese Prozedur nicht vor jeder Nachricht nötig, doch bietet sie einen Vorteil: Die eigene Telefonnummer und E-Mailadresse, die zur BlackBerry-ID Registrierung benötigt wird, bleibt geheim und meine Kontakte erkennen mich nur am selbstgewählten Namen. Trotzdem hätte man hier besser in eine (dokumentierte) Verschlüsselung gesetzt, für Firmen, die BlackBerry besonders ansprechen will, könnte die Verknüpfung über PIN vielleicht von Vorteil sein, im Alltag nervt es aber, wenn ich Tage brauche, um alle meine Kontakte (die sich vielleicht irgendwann auch mal für den BBM registrieren) in mein Adressbuch aufzunehmen. Aber der Messenger hat nicht nur negative Seiten. Die Anzeige des Status’ einer Nachricht zum Beispiel zeigt, ob die Nachricht am Versenden, empfangen oder schon gelesen ist. Eine Anzeige, ob der Chatpartner gerade online ist, fehlt, unter dem Namen prangt der Schriftzug “Verfügbar”, solange er nicht im nur teilweise übersetzten Profil geändert wurde. Smileys oder Anhänge (Bild oder Sprachnotiz) sowie andere Teilnehmer lassen sich im Chat hinzufügen. Wenn man die Funktion “Ping” im Menü im Chat entdeckt lohnt sich eventuell der Blick in die Dokumentation auf der BlackBerry-Website. Zusammenfassend ist der BBM für Androiduser eigentlich eine Zumutung, da das gesamte Gestaltungskonzept des Betriebssystems mit dem aus dem Hause BlackBerry vermischt wurde – keine glückliche Kombination. Zudem sind Teile der App gar nicht oder schlecht übersetzt und bei Benachrichtigungen in der Statusbar fehlt der Name des Chatpartners, es ist also nur die Nachricht sichtbar. Solche Fehler dürfte sich das Unternehmen besonders im aktuellen Zustand eigentlich nicht erlauben.


Die Nr. 1 WhatsApp ist den meisten Smartphonebenutzern sicherlich vertraut, obwohl sie vor einiger Zeit komplett für die neuen Androidversionen (ab 4) umgestaltet wurde. Auf der Startseite finden sich die schon getätigten Konversationen und Gruppen, oben rechts komme ich zur Suche und zum Button für eine neue Nachricht, die ich an alle WhatsApp-User aus meinem Adressbuch in der Liste schicken kann. Über den Einstellungssoftkey kann ich Gruppen und Broadcasts erstellen und den Status ändern und komme in die Einstellungen, die ebenfalls nochmals unterteilt sind. Somit erreiche ich alle wichtigen Funktionen mit 1 bis 3 Touchs – so geht einfach. Im Chat kann ich durch Gedrückthalten des Mikrofons Sprachnachrichten senden oder durch einen Touch auf das lachende Gesicht auf der linken Seite die wohl beliebtesten Smileys in meine Nachrichten einfügen. Anhänge (Fotos, Videos, Audio, Standort, Kontakte) lassen sich über die Büroklammer einfügen, alles ist aufgeräumt und direkt erreichbar, einzig in den Einstellungen muss die eine oder andere Funktion mal gesucht werden. In dieser Kategorie geht der Punkt klar an diesen Client, der alle wesentlichen Funktionen gut erreichbar in sein Design eingearbeitet hat.

Funktionen
In der Kategorie Bedienung hatte ich bereits einige Features der Konkurrenten genannt. Alle drei Services unterstützen Gruppenchats, Smileys (wenn auch jeweils unterschiedliche Grafiken) und das Versenden von Anhängen und Profilbilder, doch jede Applikation hat besondere Features, die sie von den anderen abhebt.

Der Messenger von BlackBerry unterstützt eine Identifizierung der Chatpartner durch einzigartige PINs bzw. Barcodes und will so den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund rücken. Er bietet als einzigster ein Symbol in der Statusleiste an, das den Zugriff während dem Benutzen anderer Anwendungen gewährleisten soll. Außerdem können Bilder und Sprachnotizen verschickt werden. Der individuell änderbare Status und Profilbilder dürfen natürlich auch nicht fehlen.

WhatsApp bietet besonders beim Verschicken von Anhängen mehr Funktionen. Man kann Bilder und Videos verschicken, Audio’s aufnehmen, Kontakte und den eigenen Standort mit Bekannten teilen. Außerdem gibt es eine Liste mit allen WhatsApp-Usern aus dem Adressbuch, sodass Einladungen nicht mehr nötig sind. Seit dem heute erschienenen Update ist es auch möglich, nach der Verlängerung des Abo’s auf z.B. 3 Jahre die Nummer zu wechseln und dabei alle Daten zu migrieren. Zudem kann die Netzwerknutzung überwacht und reguliert (Autodownload von Medien für verschiedene Netzwerke) werden und nicht erwünschte Chatpartner können auf eine Blacklist gesetzt werden. Besonders für Menschen mit Sehschwäche ist die Anpassung der Schriftgröße in den Konversationen interessant. Der wechselbare Hintergrund verleiht WhatsApp am ehesten das Gefühl von Vertrautheit, wenn man z.B. während dem Schreiben an schöne Momente erinnert wird.

Hangouts hat kann was, was sonst keiner kann – Videochats. Diese Funktion eröffnet dem Benutzer neue Welten der Kommunikation. Trotzdem gibt es Abzüge, da nur Fotos verschickt werden können. Außerdem zeichnet sich Google’s Messenger durch die Blockierfunktion von Kontakten sowie dem Anzeigen der zuletzt vom Chatpartner gelesenen Nachricht durch das transparente Profilbild an der entsprechenden Stelle aus. Als einzige der drei Applikationen ist der Zugriff über den Browser inklusive Verlaufsynchronisation möglich, was besonders für Benutzer interessant sein könnte, die ihr Smartphone nur unterwegs benutzen wollen und zu Hause lieber am Computer arbeiten.

 

Fazit
Ich habe die drei Apps in verschiedenen Aspekten bewertet und kam zu dem Schluss, dass alle Messenger ihre Vor- und Nachteile haben. Trotzdem komme ich zu dem Entschluss, dass WhatsApp am ausgereiftesten und durchdachtesten ist. Die Bedienung ist einfach und selbsterklärend, ein großes Spektrum an nützlichen Funktionen ist vorhanden und ich brauche mich nicht erneut zu registrieren oder bin über meinen Google+ Account angemeldet, sondern werde eindeutig über meine Rufnummer zugeordnet. Zudem brauch es schon einiges, bis annähernd so viele Menschen BBM oder Hangouts besitzen wie WhatsApp. Damit bleibt die Nr. 1 auf dem ersten Platz, auch wenn ich nach dem ersten Jahr einen kleinen Betrag bezahlen muss – aber was sind schon 89ct für die Vorteile, die mir der Service bietet? Wenn ich davon ausgehe, dass ich alleine 9ct für eine SMS bezahle, ist mir mit nicht mal 10 Textnachrichten auch kein Gefallen getan.

Aber auch die Konkurrenz hat ihre Stärken. Hangouts überzeugt mit der Videochatfunktion und der gleichzeitigen Benutzung auf mehreren Geräten – wenn die Kontaktaufnahme einfacher gestaltet wäre hätte die App aus dem Hause Google sicherlich eine höhere Chance auf dem Markt. Da der Dienst bei den meisten neueren Androidsmartphones und -tablets sowieso vorinstalliert ist (oder Google Talk ersetzt), sollte man sich nicht scheuen, einen Blick hinter das Symbol zu werfen, denn der Konzern hat meine Daten sowieso, wenn ich den PlayStore oder andere Angebote nutze. Aus diesen Gründen belegt Hangouts den zweiten Platz.

BlackBerry muss sich mit dem letzten Platz zufrieden geben: Eine umständliche Menüführung, die einen Mix aus blackberry- und androidtypischem Design aufweist, die schwierige Kontaktaufnahme, welche Sicherheit suggerierern soll und eine gesonderte Registrierung mit meiner E-Mailadresse muss ich mir nicht antun, denn BBM hat sowieso kaum einer. Dazu kommen die Patzer wie Bugs (z.B. der fehlende Name des Kontakts über der Nachricht in der Statusbar) oder das gescheiterte Rollout, da bleibt die Hoffnung, dass nicht ähnliches mit meinen hinterlegten Daten in Kanada passiert. Die zusätzliche Funktion von Sprachmemos gegenüber Hangouts kontert Google mit der Videochatfunktion und gewinnt die Oberhand. Für die hauseigenen Geräte mag der Client von nutzen sein – bei Android und iOS ist er einfach zu spät an und ist trotzdem nur halbherzig realisiert.


Über den Autor

Torsten Dünnwald

Inhaber. Administrator. Blogger. Android-Freak. Experte & Mädchen für alles.